Steiniger, kalkreicher Bach im besuchten Abschnitt (Fließgewässertyp des Jahres 2020)
Erwartungsfroh machten sich die Donnerstagswanderer des Vereins „Unser Diestelbruch“ am 5. März 2020 auf den Weg, um die versprochenen faszinierenden Vorfrühlingsaspekte am Ufer der Werre zu erleben. Die dazu geplante Route ging zunächst über den Residenzweg im Bereich des Bannenberges bei Schönemark. Leider erwies sich dieser namhafte Wanderweg stellenweise in einem sehr schlechten, kaum passierbaren Zustand. Um so größer war nach den Strapazen des Anmarsches die Freude, an den Steilufern der Werre die Blütenpracht des Märzenbechers erleben zu dürfen. Eine  aktuelle Besonderheit des Baches war den Wanderern in den ersten Märztagen des Jahres 2020 noch nicht bewusst.
Naturparkführer Karlheinz Meier
Zunächst beeindruckte , an einem  der hier letzten Abschnitte des Flusses im naturnahen, also guten Zustand, wie ihn die Europäische Wasserrahmenrictlinie fordert, die sichtbare Strukturvielfalt mit dynamischer Strömungsdiversität und mächtigen Kiesbänken.
Gut gelaunte Wanderer angesichts dieser
Blütenpracht oberhalb des Werreufers
Wappen der Gemeine Ettenstatt/Mittelfranken Dichter Blütenbestand am Steilufer,
Strömungsdiversität und steinige Inselbank im Gewässerbett
Zusätzlich gab es einige Erläuterungen zur Einzigartigkeit des bei uns heimischen Märzenbechers im Vergleich zu der Vielzahl der Wildarten des Schneeglöckchens, die aus Vorderasien stammen. Der wunderschöne Frühblüher ist sogar Teil des Wappens der Gemeinde Ettenstatt, wo er an einem Albrandhang der Fränkischen Alb in dichten Beständen vorkommt.

Zum Zeitpunkt der Wanderung war eine Besonderheit des besuchten Werreabschnittes noch nicht bekannt, darf aber im nachhinein nicht unerwähnt bleiben. Seit über 10 Jahren hat der Tourenleiter den jährlichen Werrebesuch im März unter dem Titel „Frühjahrsblüte am Muschelkalkbach“ angeboten. In der bundesweiten vereinfachten Gewässertypologie wird der Muschelkalkbach im besuchten Bereich nicht mehr dargestellt. Die detailliertere nordrhein-westfälische Gewässertypologiekarte weist ihn jedoch hier deutlich aus. Der Typ dient der Charakterisierung des jeweiligen Gewässer in seiner Naturlandschaft. So hat zum Beispiel ein Sandbach in der Senne völlig andere Eigenschaften und Lebensgemeinschaften als der besuchte Mittelgebirgsbach. Warum nun diese Erläuterugen?

Am Weltwassertag, dem 22. März, wird für das jeweilige Jahr der „Gewässertyp des Jahres“ bekanntgegeben. In diesem Jahr ist es der „Steinige, kalkreiche Mittelgebirgsbach„. Diese Gewässer treten im Bereich der Ablagerungen aus der erdgeschichtlichen Zeit des Muschelkalks auf. Wir hatten also am Ziel der anstrengenden Wanderung, dem wunderschönen, naturbelassenen Werreabschnitt den Gewässertyp des Jahres 2020 vor Augen!